Das Gehör ist für Leopardi der innigste und tiefste der Sinne und wird zur Chiffre für die Unerfüllbarkeit der menschlichen Sehnsüchte, aber auch zum Motor der Imagination.    das Herz erschrickt. Das ist in dem Ton, den das Wort ‹Erlebnis› bis zum heutigen Tag hat, deutlich wahrnehmbar.33. http://hdl.handle.net/21.11108/0000-0007-DA53-6, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 4.0 International. Wiederholt rekurriert der Dichter auf die symbolische Darstellung einer Waage. E come il vento odo stormir tra queste piante, io quello 10 infinito silenzio a questa voce vo comparando: e mi sovvien l'eterno, e le morte stagioni, e la presente e viva, e il suon di lei. [daseiende Zeit], die lebendige, tönende. Mit den Worten von Hans Georg Gadamer: Jede Übersetzung, die ihre Aufgabe ernst nimmt, ist klarer und flacher als das Original. dell’ultimo orizzonte il guardo esclude. You also have the option to opt-out of these cookies. Eine ideale Übersetzung sollte als Produkt einer «Dialektik des Vertrauens» entstehen, eine Neuschöpfung werden, welche die Male des Kampfes zwischen zwei Sprachen an sich trägt. Dieses Spiel zwischen der Sphäre der ratio und jener des Gefühls prägt und strukturiert die Bildlichkeit des Gedichts. «Italien kannte und liebte ich seit meinem achten Jahr – es war in seiner Deutlichkeit und Vielfalt und Formfülle, sozusagen, die Fibel meines beweglichen Daseins» – so schreibt Rilke 1926.19 Kaum einer der sehenswürdigen Orte Italiens war ihm fremd. Rilkes Übersetzung des Infinito folgt einer doppelten seelischen Bewegung: einerseits dem Bedürfnis, sich von der Vision der Unendlichkeit Rechenschaft zu geben, andererseits dem Impuls einer orphischen Seele nach letzten Wahrheiten. Besteht am Ende die Aufgabe des Übersetzers lediglich darin, durch den Kampf mit dem fremden Text die Bedeutsamkeit und Ausdrucksfähigkeit der eigenen Sprache zu erweitern? dell’ultimo orizzonte il guardo esclude. Sempre caro mi fu quest’ermo colle, immensità s’annega il pensier mio: Così tra questa Immensità s’annega il pensier mio: E il naufragar m’è dolce in questo mare. Aus dieser Denkweise kann man nicht schließen, dass der Übersetzung des Infinito notwendigerweise ein Prozess der intensiven Lektüre Leopardis vorangegangen sein muss. e questa siepe, che da tanta parte e viva, e il suon di lei. Ma sedendo e mirando, interminati Spazi di là da quella, e sovrumani Silenzi, e profondissima quiete Io nel pensier mi fingo, ove per poco Il cor non si spaura. Die Erfahrung gleicht einer Begegnung im offenen Raum in der Präsenz des mystischen Erlebnisses. Es handelte sich um eine Grabschrift in Noten aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert.46 In der idealistisch-humanistischen Konzeption Rilkes ist der Tod Teil des Lebens und kann mit dem Schlussakkord einer Melodie verglichen werden, der den Sinn des Ganzen in sich vereint. Eine letzte Folgerung: Die deutsche Version ist von Rilkes Vision der Unendlichkeit durchdrungen. Eine zu genaue Übertragung verfehlt ihr Ziel. Die Materialität und die Form der Sinnenwelt werden sowohl im Gedicht als auch in den Erlebnissen Rilkes reflektiert. Unter- io nel pensier mi fingo; ove per poco . Die Übersetzung des L’infinito kann als Projektionsfläche dienen, welche die philosophische und poetische Weltsicht des Prager Lyrikers spiegelt. 2. Im Hinblick auf Friedrichs Schlegels Übersetzung des Werkes von Shakespeare hat Friedrich Gundolf gesagt, hier sei eine «völlige Symbiose» erreicht worden. Rilke liest Leopardi und sieht darin eine Erfahrung des Offenen ausgedrückt. Dieses Ziel zu erreichen, vermag nach Leopardi allein die italienische Sprache: La lingua italiana, che in ciò chiamo unica fra le vive, può nel tradurre, conservare il carattere di ciascun autore in modo ch’egli sia tutto insieme forestiero e italiano. Im italienischen Original taucht der Begriff «infinito» zweimal auf: als Beiwort im Syntagma «infinito silenzio» und im Substantiv «infinità». odo stormir tra queste piante, io quello Dennoch ist daraus, wie wir sehen konnten, eine neue Schöpfung entstanden, die mehr als eine Nachdichtung ist. Die Bildhaftigkeit von Rilkes «Schiffbruch» ist schärfer als im Infinitiv des Originals, sie kommt aus einer anderen Seelenschicht. Meint er damit: «lediglich für eine kurze Zeit»? E come il vento Odo stormir tra queste piante, io quello Infinito silenzio a questa voce Vo comparando; e mi sovvien l'eterno, E le morte stagioni, e la presente E viva, e'l suon di lei. 12) – ungefähr ein Jahr vor der Komposition von L’Infinito – formulierte er eine kühne Anforderung an den Übersetzer. Vordergründig vermag man in dem kurzen Text das «Interaktionsmuster romantischer Herkunft» zu erkennen, das Hans Robert Jauß für die französische Lyrik des Jahres 1857 herausarbeitet. Ma sedendo e mirando, interminati spazi di là da quella, e sovrumani silenzi, e profondissima quïete io nel pensier mi fingo, ove per poco il cor non si spaura. Ma sedendo e mirando, interminati spazi di là da quella, e sovrumani silenzi, e profondissima quïete io nel pensier mi fingo; ove per poco il cor non si spaura. So nimmt man hier das Echo von Johannes 14,9 wahr: «Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen [...]». [Io nel pensier mi fingo]; ove per poco [Also], Die Mitte des Gedichts ist der Ort, an dem Rilkes Interpretation ihr eigenwilliges Profil besonders deutlich zeigt. Die Erinnerung ist eine zentrale Kategorie im L’Infinito. Segment Langsam um sich sehend, ohne sich sonst in der Haltung zu verschieben, erkannte er alles, erinnerte es, lächelte es gleichsam mit entfernter Zuneigung an, ließ es gewähren, wie ein viel Früheres, das einmal, in abgetanen Umständen, an ihm beteiligt war [...]. Erinnerung kommt in Erlebnis als Produkt einer ekstasis ins Spiel. Eine Korrespondenz findet «siepe» in einem anderen symbolischen Element von Rilkes immaginario, dem Fenster. «Sovvenire» bezeichnet ein intuitives Moment, eine Art memoria involontaria. Vittorio Gassman - L'infinito. Cosi tra questa. Und dennoch steckt in dieser Übersetzung, der die Kraft großer Dichtung eigen ist, auch ein Appell an die Imagination der Leser. Auch die Vorstellung eines Himmelsgebäudes, das auf der Erde ruht, ist uns von mittelalterlichen Liedern tradiert worden. L’Infinito Sempre caro mi fu quest’ermo colle, E questa siepe, che da tanta parte Dell’ultimo orizzonte lo sguardo esclude. E come il vento e mi sovvien l’eterno, VII). Insbesondere zwei Briefe, an Adelheid von der Marwitz am 14. und an die Gräfin Caroline Schenk von Stauffenburg vom 23. The final draft dates to the period between spring and autumn 1819. Une tâche de traducteur, autant qu’il s’agit d’un œuvre de poésie, demande, comme la création même, un poète en état de grâce –, et ce n’est pas cela que l’on serait commander, c’est pur don, ci cela se prête tôt ou tarde. Was ihn überaus beschäftigte, war indessen nicht diese Erwähnung oder eine ähnliche dieser Art, sondern mehr und mehr war er überrascht, ja ergriffen von der Wirkung, die jenes in ihn unaufhörlich Herüberdringende in ihm hervorbrachte. [e viva e il suon di lei] Così tra questa Des fernsten Horizonts fast ganz verschließt. Nell’angustia della finitudine c’è il respiro dell’infinito, l’azzardo della sua rappresentazione.»37 Weiter fügt er hinzu: «Il silenzio, la meditazione sul tempo irreversibile, la rappresentazione dell’infinito muovono da questo nascondimento, da questo avvertimento del limite, da questo non vedere, o non vedere tutto.»38 L'infinito zo ur varzhoneg italianek, brudet bras en Italia, ... Ma sedendo e mirando, interminati spazi di là da quella, e sovrumani silenzi, e profondissima quïete io nel pensier mi fingo; ove per poco il cor non si spaura. Ma sedendo e mirando, interminati Spazi di là da quella, e sovrumani Silenzi, e profondissima quiete Io nel pensier mi fingo; ove per poco Il cor non si spaura. Ma sedendo e mirando, interminati spazi di là da quella, e sovrumani silenzi, e profondissima quiete io nel pensier mi fingo; ove per poco il cor non si spaura. il cor non si spaura. Und wie den Wind, odo stormir tra queste piante, io quello Sempre caro mi fu quest’ermo colle,    und lebendige, und ihr Klang. "L'infinito" (Italian pronunciation: [liɱfiˈniːto]; English: The Infinite) is a poem written by Giacomo Leopardi probably in the autumn of 1819. Und daneben die alten Jahreszeiten und diese The poem is a product of Leopardi's yearning to travel beyond his restrictive home town of Recanati and experience more of the world which he had studied. In Duino übersetzte Rilke L’infinito und 16 Verse aus La sera del dì di festa und las vermutlich auch andere Werke Leopardis. e il naufragar m’è dolce in questo mare. Er hält die Verbindung zwischen dem Prozess der Verinnerlichung, der dank der memoria mit dem Ton (voce) verbunden ist, und dem sinnlichen Element (il vento) fest. Wie hat Rilke L’Infinito gelesen, welche Antwort auf seine metaphysischen Fragen hat er in der Lyrik Leopardis vielleicht vergebens gesucht? Räume jenseits mir ein und mehr als Die Fenstermetapher ist eine rekurrierende Erscheinung in Rilkes Lyrik. In seiner symbolischen Welt verschwinden die Grenzen zwischen Natur und Menschen oder zwischen Lebenden und Toten. «per poco» hat im Italienischen die Bedeutung «quasi», «beinahe». Nicht zufällig wird im Erlebnis ein Baum das Medium der Naturwahrnehmung. E come il vento. dell’ultimo orizzonte il guardo esclude, Immer lieb war mir dieser einsame Wohl kaum. Der übersetzende Dichter folgt dem Drang, in seine Innerlichkeit einzutauchen. Im zweiten Teil des Textes wird die Dimension der Zeitlichkeit gesprengt: Nicht nur die Trennwand zur Natur ist gefallen, sondern auch jene, die die Lebenden von den Toten trennt. Rilkes Text hat eine Qualität, die jenseits der Unterscheidung in Übersetzung oder Nachdichtung liegt. den Blick zum äußersten Horizont versperrt. il cor non si spaura. L` infinito. Leopardi, Giacomo: The infinity (L'infinito in English) Leopardi, Giacomo. Im dritten Segment meldet sich die Natur mit der Stimme des Windes. Das berühmte Incipit ist, was die syntaktische Reihenfolge betrifft, wortgetreu übersetzt; lediglich das Akkusativobjekt «Blick» gleitet in den folgenden Vers. il cor non si spaura. Das Gehör öffnet auch die Tür zur Welt der Erinnerung, zur «riminiscenza» als einem meditativen und existentiellen Vorgang. Diesen Gedanken wird W. Benjamin kongenial formulieren: «Die wahre Übersetzung ist durchscheinend, sie verdeckt nicht das Original, steht ihm nicht im Licht, sondern läßt die reine Sprache, wie verstärkt durch ihr eigenes Medium, nur um so voller auf das Original fallen.»12 Hat Rilke aus dem Text Leopardis eine eigene Schöpfung, etwa im Sinne einer romantischen Moderne geschaffen? Es handelt sich um eine längere lyrische Meditation, Erlebnis, aus dem Jahr 1913, sowie um einige in Briefen festgehaltene, verwandte Erfahrungen.34 Rilke selbst misst diesen Erfahrungen eine große Bedeutung zu. Dass Rilke durch das Übersetzen Antworten auf eigene stilistische, aber auch existentielle Probleme suchte, könnte besser in einer Untersuchung der Übertragungen weiterer ihm kongenialer Dichter geklärt werden, so für die französische Sprache die Paul Valérys und in der italienischen Literatur die Michelangelos.52 Die Arbeit an den Rime beschäftige ihn zehn Jahre lang, von 1912 bis 1922, dem Jahr der Vollendung der Duineser Elegien und der Niederschrift der Sonette an Orpheus. Man beachte die Übersetzung von «e mi sovvien l’eterno e le morte stagioni e la presente e viva e il suon di lei». Aber während das lyrische Ich bei den widerstreitenden Empfindungen des Rauschens des Windes und der endlosen Stille von Gefühlen großer Intensität ergriffen wird («so überkommt es mich»), ist im nächsten Satz sein Fühlen im Blick auf das einfallende Ewige wie abgekühlt. Beim Übertragen von Gedichten war für Rilke die Bewahrung der Sprachmelodie wichtig, sein Interesse galt dem Rhythmus, dem Reim und der Musikalität der Verse. L’infinito besteht aus 15 Versen in losen Elfsilbern, also ohne Reim. George Steiner beschreibt den hermeneutischen Prozess der Übersetzung in vier Phasen: Vertrauen, Eindringen, Einverleibung und Konservierung. Deutlich ist die Verwendung des raumhaften Sprechens aber vor allem in den beiden Formulierungen «fernes Aufruhen des Himmels» und «Ruhe vom Grunde der Ruhe». ausschließt vom fernen Aufruhn der Himmel L’infinito Sempre caro mi fu quest'ermo colle, e questa siepe, che da tanta parte dell'ultimo orizzonte il guardo esclude. Eine treue Wiedergabe braucht also die Flexibilität des Mediums, aber auch individuelle Intelligenz und Sensibilität. Sempre caro mi fu quest’ermo colle, Der englische Text sei nicht ins Deutsche übertragen worden, vielmehr sei er «diese Sprache selbst geworden»4. Obwohl Rilke ein raffinierter literarischer Übersetzer war, besitzen wir von ihm wenige zusammenhängende Reflexionen über die translatorische Wissenschaft. 1. So zwischen dieser, immensità s’annega il pensier mio: This category only includes cookies that ensures basic functionalities and security features of the website. Das Gedicht lässt sich in zwei Abschnitte einteilen. Die perfekte Übertragung ist in der vollständigen Nachahmung verwirklicht: «La piena e perfetta imitazione è ciò che costituisce l’essenza della perfetta traduzione» (Zib 1988).    und diese Hecke, die größtenteils. L'infinito estas poemo verkita de la itala romantika poeto Giacomo Leopardi (29-an de junio 1798 - 14-an de junio 1837).La poemo estis verkita en 1818 kaj 1819 kaj eldonita en volumo de la poezia libro de Leopardi titolita "Idilli" (Idilioj) en 1826, en 1831 ĝi estis publikigita en la poezia kolekto I Canti (Kantoj). In seiner sensualistisch-materialistischen Wahrnehmung deckt sich sein Verständnis des «infinito» mit jenem des «indefinito», also des Vagen und Unbestimmten. Die Wiedergabe von «fingere» ist von großer Bedeutung in der Ökonomie des Gedichtes. Infinito silenzio a questa voce Vo comparando: e mi sovvien l’eterno, E le morte stagioni, e la presente E viva, e il suon di lei. Metaphorisch wird der Geschmack der Schöpfung mit dem Wissen um die Vergänglichkeit gewürzt. io nel pensier mi fingo; ove per poco. aufrauscht der Wind, so überkommt es mich, dass ich Die berühmten Übersetzungen seiner Zeit in deutscher Sprache betrachtet Leopardi kritisch13, denn die gleichsam mathematische Perfektion, ja die genaue Fokussierung auf die Form ist für den Dichter eine Schwäche, die er mit einer mangelnden Vollendung der deutschen Sprache erklärt, die geschmeidig und formbar sei wie Wachs. E come il vento Odo stormir tra queste piante, io quello Infinito silenzio a questa voce Vo comparando: e mi sovvien l’eterno, E le morte stagioni, e la presente E viva, e il suon di lei.    Räume jenseits jener, und übermenschliche, silenzi, e profondissima quiete Sempre caro mi fu quest’ermo colle, Stets lieb war mir dieser einsame Hügel, e questa siepe, che da tanta parte und diese Hecke, die größtenteils. Dafür muss er auf die andere Seite der Natur hinüber wechseln. L’Infinito (Infinity) Giacomo Leopardi – L’Infinito (1819) Sempre caro mi fu quest'ermo colle, e questa siepe, che da tanta parte. (Zib. infinito silenzio a questa voce silenzi, e profondissima quiete Out of these cookies, the cookies that are categorized as necessary are stored on your browser as they are as essential for the working of basic functionalities of the website. Rilke löst den Vers vom Kontext und übersetzt: «Und über ein Kleines geht mein Herz ganz ohne Furcht damit um». daseiende Zeit, die lebendige tönende. Indem er sein ‹wahres Selbst› suchte, … dieses Lautsein vergleiche mit jener endlosen Stillheit. Versucht man dieses Erlebnis, das man als mystisches oder traumähnliches Ereignis betrachten könnte, im Hinblick auf die Aussage über die Unendlichkeit zu überprüfen, kommt man zu der Folgerung, dass sich darin Rilkes Verhältnis zum Offenen spiegelt, einer Thematik, die er in den Duineser Elegien und insbesondere in der achten vertiefen wird. Seine Theorie verknüpft linguistische Reflexionen mit philosophischen und poetologischen Fragestellungen. Im Fall der Übersetzung des L’infinito scheinen mir diese Kenntnisse, die den existentiellen Weg Rilkes beleuchten, bedeutsam. «Denn Rilke, dem selbst die Musik als hörbare Landschaft erschien, beschreibt das Dasein selbst als Raum», so Peter Szondi.32. L'infinito (Rumänisch Übersetzung) Künstler/in: Vittorio Gassman (Vittorio Gassman, nato Gassmann) Lied: L'infinito 10 Übersetzungen; Übersetzungen: Deutsch, Englisch, Französisch #1, #2, Portugiesisch, Rumänisch #1, #2, Russisch, Schwedisch, Spanisch Italienisch . Ma sedendo e mirando, interminati In einer von einem Dichter geschaffenen Übersetzung ist sicher die erste Phase die wichtigste; es ist die Phase des élancement, die das Hingezogensein zum Objekt beschreibt. In Duino übersetzte er Leopardis L’infinito. Wir verdanken Rilke eine reiche und detaillierte Information über den Prozess seines Schaffens, den er seiner vielfachen Korrespondenz anvertraute. In Wirklichkeit handelt es sich um ein «Er», eine voce narrante. Die Verwendung ohne Prädikate zeigt, dass der Kampf des Menschen mit seinen Dämonen unentschieden bleibt. e le morte stagioni, e la presente Dazu kam, dass er in den ersten Augenblicken den Sinn nicht recht feststellen konnte, durch den er eine derartig feine und ausgebreitete Mitteilung empfing; auch war der Zustand, den sie in ihm herausbildete, so vollkommen und anhaltend, anders als alles andere, aber so wenig durch Steigerung über bisher Erfahrenes hinaus vorstellbar, dass er bei aller Köstlichkeit nicht daran denken konnte, ihn einen Genuss zu nennen. aufrauscht der Wind, so überkommt es mich, daß ich Sempre caro mi fu quest'ermo colle, e questa siepe, che da tanta parte. «Finzione» gleicht einer dichterischen Bewusstwerdung, die der Phantasie eine wichtige Rolle zumisst. This website uses cookies to improve your experience while you navigate through the website. Dazu muss man bemerken, dass der Begriff «orizzonte», den Rilke nicht mit «Horizont» übersetzt, in Leopardis Lyrik nicht auf eine klare Trennung zwischen Realem und Imaginärem hinweist, sondern als Linie verstanden wird, die eine endliche Weite abgrenzt. Im Erlebnis vermag das lyrische Ich nicht zu sagen, ob seine Gefühlsempfindung angenehm ist oder nicht.43 Spiegelt sich in der Übersetzung des letzten Verses des L’Infinito, «Untergehen in diesem Meer ist inniger Schiffbruch», dieses Dilemma wieder? Rilke fühlt sich mit dem Erlebnis des Offenen konfrontiert. Überall und immer gleichmäßiger erfüllt mit dem in seltsam innigen Abständen wiederkehrenden Andrang, wurde ihm sein Körper unbeschreiblich rührend und noch dazu brauchbar, rein und vorsichtig in ihm dazustehen, genau wie ein Revenant, der, schon anderswo wohnend, in dieses zärtlich Fortgelegtgewesene wehmütig eintritt, um noch einmal wenn auch zerstreut, zu der einst so unentbehrlich genommenen Welt zu gehören. Die deutsche Übersetzung bringt «unendlich» als Beiwort von Räumen, also «unendliche Räume». Sie kann die ‹evokatorische Kraft› eines Textes zur Entfaltung bringen: Wenn es nun darum gehen soll, die explizite oder implizite, verdeckte oder verweigerte poetische Botschaft aufzuweisen, die dem Leser im ästhetischen Genuß eines Gedichtes vermittelt wird, kann auch die strukturale Analyse nicht länger im kontextimmanenten Zirkel von induzierter Norm und Abweichung, Beschreibungssystem und Interferenz verbleiben.8. Die Spannung zwischen Innenraum und Außenraum, zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Natur und Geschichte wird im Gefühl einer kosmischen Harmonie aufgehoben. von einer Brücke einmal eingesehen – Es handelt sich um ein kreatives Vermögen, welches dem wachen Zustand zugehört; es entspricht der spekulativen Situation des ‹sognare a occhi aperti›, der seligmachenden rêverie des Infinito: «io nel pensier mi fingo». Rilke scheint die Erfahrung Benjamins zu teilen, derzufolge beim Übersetzen von Gedichten unabwendbar ein Nicht-Mitteilbares zurückbleibt. Vo comprando: e mi sovvien l’eterno, E le morte stagioni, e la presente. Der Ehrgeiz, den höchsten Grad der Äquivalenz zwischen den Sprachen zu erreichen, ist in beiden Fällen vorhanden. vo comparando [e mi sovvien l’eterno]Und über ein Kleines geht mein Herz ganz ohne Die Hecke (la siepe) hindert den Blick und verwandelt dadurch in der Wahrnehmung einen begrenzten in einen unendlichen Raum. Beim Vergleich zwischen einem Gedicht und seiner Übertragung mag sich die Frage stellen, ob sich dabei um eine Nachdichtung oder um eine wörtliche Übersetzung handelt. Den romantisch-religiösen Gedanken, die Unendlichkeit in der philosophischen Dimension des Seins zu berühren, wollte Rilke mit seinem «bilde ich unendliche Räume jenseits mir ein» einfangen. Segment drei und vier bilden die Mitte des Gedichts. a) Die Grenze: sinkt der Gedanke mir weg ins Übermaß. E come il vento Così tra questa Immensità s’annega il pensier mio: E il naufragar m’è dolce in questo mare. Der Fensterrahmen, der den Blick einschränkt, bewahrt davor, dass sich das Ich im Unendlichen verliert. Die Erlebnisse auf Capri48 und in Toledo sind auf die beiden Sinne des Sehen und des Hörens fokussiert: Rilke verbrachte den November 1912 in Toledo. menschliches Schweigen und Ruhe vom Grunde der Ruh. The poem is a product of Leopardi's yearning to travel beyond his restrictive home town of Recanati and experience more of the world which he had studied. Hier löst Rilke Leopardis strukturellen Aufbau auf und setzt andere Akzente. Der Erzähler hat die Welt, in der er existierte, verlassen, um in eine neue einzutreten. Sie wurde erst 1938 in der Zeitschrift Corona im Zusammenhang mit einer Rede von Karl Vossler (und im Giornale storico della letteratura italiana 1938) abgedruckt.23 Die geballte Kraft dieser Bilder überwältigt beinahe das Ich, sie erwirkt ein «spaesamento». und Schiffbruch erleiden ist mir süß in diesem Meer. Es ist von Interesse auf weitere Episoden einzugehen, die Rilke im Zusammenhang mit dem Text von Erlebnis erwähnt. Wir haben es mit einer dreifachen Brechung zu tun, die man so beschreiben könnte: Metaphorisch konkretisiert sich die Figur der Unendlichkeit im Bild der Grenze sowie in den Formelementen der Erinnerung und der sinnlichen Wahrnehmung. Aber Nachahmung ist nicht Kopie. Die Berücksichtigung dieser situativen Momente impliziert keineswegs ein Urteil über die ästhetische Relevanz des Originals und der Übersetzung, wenn man diese als eigenständige poetische Schöpfung betrachtet. 962–963)11. Infinito silenzio a queste voce Vo comparando: e mi sovvien l’eterno, E le morte stagioni, e la presente E viva, e il suon di lei. Ma sedendo e mirando interminati Spazi di la da quella, e sovrumani Silenzi, e profondissima quiete, Io nel pensier mi fingo, ove per poco Il cor non si spaura. spazi di là da quella, e sovrumani. Così tra questa Nicht zu vergessen: Der Vers wird vor der Zäsur, die das Gedicht in zwei Teile trennt, eingefügt und bezieht sich klar auf dessen ersten Teil. Segment (Zib. E come il vento odo stormir tra queste piante, io quello infinito silenzio a questa voce vo comparando: e mi sovvien l’eterno, e le morte stagioni, e la presente Doch anders als für Leopardi ist für den Prager Dichter der Raum und nicht die Zeit die dominante Kategorie. Das Synonym «endlos» wird für die Charakterisierung der Stille verwendet. [Così tra queste], Und mir fällt das Ewige ein Dass es sich hier nicht um eine religiöse Ewigkeit handelt, wird klar durch die Begleitbegriffe: die vergangenen Epochen und die Gegenwart.